Schwarz-Weiß-Fotografie ist kein Effekt.
Sie ist eine eigene Form der Bildgestaltung.
Der größte Teil unserer Bilder entsteht in Farbe, denn so sehen wir die Welt.
Etwa 90 % bleiben bewusst farbig und werden mit natürlichen, eher warmen Tönen ausgearbeitet.
Ein kleinerer Teil – ungefähr 10 % – wird in Schwarz-Weiß umgesetzt.
Und diese Entscheidung treffen wir nicht zufällig.
Nagelt uns nicht auf die Prozent fest;)
Schwarz-Weiß ist keine reduzierte Farbversion
Ein häufiger Fehler ist, Schwarz-Weiß als einfache Umwandlung zu verstehen.
Bild entsättigen, fertig. Das ist das Verschieben eines Reglers und also sehr einfach.
Sehr oft wird das so praktiziert. Man kann es aber mit dem geübten Auge leicht sehen.
So entstehen flache Bilder ohne Tiefe.
Ohne echtes Schwarz, ohne echtes Weiß, ohne klare Trennung.
Schwarz-Weiß funktioniert für uns nur dann, wenn das Bild bereits die Voraussetzungen mitbringt.
– klare Lichtführung
– sichtbare Kontraste
– ein Zusammenspiel aus hell und dunkel
Ohne diese Grundlage entsteht kein tragfähiges Schwarz-Weiß-Bild.
Kontrast ist die entscheidende Voraussetzung
Der wichtigste Punkt ist der Kontrast.
Ein Bild braucht:
– echte helle Bereiche
– echte dunkle Bereiche
– und Abstufungen dazwischen
Wenn ein Bild nur aus mittleren Grautönen besteht, wirkt es immer flach und leblos.
Deshalb sehen wir schon beim Fotografieren,
ob eine Szene überhaupt für Schwarz-Weiß geeignet wäre.
Licht und Schatten statt flacher Situationen
Nicht jede Lichtsituation eignet sich.
Flaches Licht, Gegenlicht ohne Struktur oder insgesamt kontrastarme Szenen
führen selten zu guten Schwarz-Weiß-Bildern.
Starke Licht-Schatten-Situationen dagegen funktionieren oft sehr gut.
– gerichtetes Licht aus einer Richtung
– klare Schatten
– deutliche Formen
Gerade Bilder mit gerichtetem Licht können in Schwarz-Weiß viel stärker wirken als in Farbe.
Manchmal sogar dann, wenn sie in Farbe zu hart erscheinen oder „nicht gehen“.
Wann wir Schwarz-Weiß bewusst einsetzen
Die wichtigste Regel bleibt immer gleich:
Ohne Kontrast kein Schwarz-Weiß. Das ist die Prämisse, die hinter jeder Bildbearbeitung steht
Dann gibt es Situationen, in denen wir uns gezielt dafür entscheiden können.
– wenn ein Bild durch Licht und Schatten besonders stark wirkt
– wenn zwei Bilder sehr ähnlich sind und wir eines bewusst anders interpretieren
– wenn Farben nicht stimmig sind und sich nicht sinnvoll korrigieren lassen
Die ersten beiden Gründe kommen häufig vor.
Der dritte eher selten, spielt aber gelegentlich eine Rolle.
Warum nicht jedes Bild geeignet ist
Viele Schwarz-Weiß-Bilder wirken also deshalb schwach,
weil sie aus ungeeigneten Ausgangssituationen entstehen.
– zu wenig Kontrast
– ausschließlich Grauflächen
– keine klare Lichtführung, wie beispielsweise bei direktem Gegenlicht oder Mitlicht
Das Ergebnis sind Bilder, die in Schwarz-Weiß nicht wirklich funktionieren.
Deshalb ist Schwarz-Weiß bei uns immer eine bewusste Entscheidung
und kein Standard-Schritt in der Bearbeitung.
Wir haben auch schon Angebote in der Art: „bei uns bekommt ihr jedes Bild in Schwarz-Weiss und in Farbe“, gelesen…
Reduktion auf das Wesentliche
Wenn ein Bild funktioniert, kann Schwarz-Weiß etwas sichtbar machen,
das in Farbe oft untergeht.
Leichtere Konzentration auf das Wesentliche
Formen, Strukturen und Licht treten stärker in den Vordergrund.
Ablenkungen verschwinden.
Das Bild wird ruhiger und gleichzeitig klarer.
Worum es am Ende geht
Schwarz-Weiß ist keine Alternative zu Farbe,
sondern eine eigene Entscheidung.
Ein gutes Schwarz-Weiß-Bild entsteht nicht am Computer,
sondern durch Licht, Kontrast und die Situation selbst.
Deshalb bleibt es bei uns ein gezielter Teil der Bildauswahl
und nicht die Regel.
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